Für NutriKunde lässt sich der Aktionstag sinnvoll über Energie, Ernährung, Landwirtschaft, Gewächshausanbau, Lebensmittelproduktion und Nachhaltigkeit behandeln – ohne daraus einen reinen Energietag zu machen.
Aktionstag: Kann Erdwärme beeinflussen, wie Lebensmittel produziert werden?
17. Oktober – World Geothermal Energy Day
Der World Geothermal Energy Day findet jährlich am 17. Oktober statt. Der Aktionstag wurde erstmals 2021 durchgeführt und soll auf die Nutzung der Erdwärme und ihre unterschiedlichen technischen Möglichkeiten aufmerksam machen.
Geothermie bezeichnet die Nutzung der im Erdinneren gespeicherten Wärme. Diese Wärme kann beispielsweise zum Heizen und Kühlen, zur Warmwasserbereitung oder – abhängig von den geologischen Bedingungen und der eingesetzten Technik – auch zur Stromerzeugung genutzt werden.
Für NutriKunde ist besonders interessant, dass Geothermie nicht nur mit Strom und Gebäuden zu tun hat. Auch Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion können von Erdwärme profitieren.
Warum ist Erdwärme für Ernährung interessant?
Lebensmittel benötigen Energie – lange bevor sie im Supermarkt liegen.
Energie wird beispielsweise für
- den Anbau,
- Gewächshäuser,
- Bewässerung,
- Kühlung,
- Lagerung,
- Verarbeitung,
- Transport und
- Zubereitung
benötigt.
Geothermische Wärme kann unter bestimmten regionalen und technischen Voraussetzungen einen Teil dieses Energiebedarfs decken.
Besonders interessant ist die Nutzung von Erdwärme in der Gewächshausproduktion. Dort kann Wärme dazu beitragen, Pflanzen auch außerhalb der natürlichen warmen Wachstumsperiode anzubauen.
12 Fragen und Antworten zum World Geothermal Energy Day
1. Was ist Geothermie?
Geothermie ist die Nutzung der natürlichen Wärme aus dem Erdinneren.
Die Temperatur nimmt mit zunehmender Tiefe normalerweise zu. Je nach geologischer Situation kann diese Wärme technisch genutzt werden.
2. Woher kommt die Wärme im Erdinneren?
Ein Teil der Wärme stammt noch aus der Entstehungszeit der Erde. Hinzu kommt Wärme, die durch den natürlichen Zerfall radioaktiver Elemente im Erdinneren entsteht.
Die Erde verfügt dadurch über ein enormes Wärmereservoir.
3. Wie kann Erdwärme zum Heizen genutzt werden?
Bei oberflächennahen Systemen können Wärmepumpen die im Boden gespeicherte Wärme nutzbar machen.
Bei tieferen geothermischen Systemen wird heißes Wasser beziehungsweise Thermalwasser aus tieferen Gesteinsschichten genutzt.
Welche Methode geeignet ist, hängt stark von den örtlichen geologischen Bedingungen ab.
4. Was hat Geothermie mit Landwirtschaft zu tun?
Landwirtschaft benötigt teilweise erhebliche Mengen an Wärme.
Besonders Gewächshäuser müssen in kälteren Monaten beheizt werden. Geothermische Wärme kann unter geeigneten Bedingungen dafür eingesetzt werden.
Damit lässt sich der Energiebedarf eines Gewächshauses teilweise anders decken als mit fossilen Brennstoffen.
5. Können mit Erdwärme Lebensmittel angebaut werden?
Ja.
Geothermische Wärme kann beispielsweise zur Beheizung von Gewächshäusern eingesetzt werden. Je nach Standort und Konzept können dort unter anderem Gemüse, Kräuter oder andere Pflanzen kultiviert werden.
Geothermie ersetzt dabei nicht Licht, Wasser, Nährstoffe oder geeignete Anbaubedingungen. Sie stellt vor allem eine mögliche Wärmequelle dar.
6. Warum sind Gewächshäuser besonders interessant?
Ein Gewächshaus ermöglicht kontrollierte Wachstumsbedingungen.
Temperatur, Wasser und teilweise auch Licht können gezielt beeinflusst werden. Dadurch kann die Anbausaison verlängert werden.
Benötigt ein Gewächshaus viel Wärme, kann eine verfügbare geothermische Wärmequelle interessant sein.
7. Kann Geothermie Lebensmittel regionaler verfügbar machen?
Unter bestimmten Bedingungen kann sie dazu beitragen.
Wenn beheizte Gewächshäuser mit regional verfügbarer Geothermie betrieben werden, können bestimmte Kulturen auch in Regionen oder Jahreszeiten produziert werden, in denen der Freilandanbau nicht möglich wäre.
Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass ein Produkt dadurch insgesamt nachhaltiger wird. Für die Gesamtbilanz müssen beispielsweise Bau, Energiebedarf, Wasser, Transport und Produktionsbedingungen berücksichtigt werden.
8. Ist Geothermie automatisch umweltfreundlich?
Nein.
Geothermie kann eine emissionsarme Energiequelle sein, aber die konkrete Umweltbilanz hängt vom jeweiligen System ab.
Relevant sind unter anderem Bohrungen, Bauaufwand, Strombedarf von Pumpen, Wasser- und Wärmemanagement sowie die geologischen Bedingungen.
Auch bei erneuerbaren Energiequellen sollte deshalb die gesamte Nutzung betrachtet werden.
9. Was bedeutet oberflächennahe Geothermie?
Oberflächennahe Geothermie nutzt Wärme aus vergleichsweise geringer Tiefe.
Häufig kommen dabei Erdwärmesonden, Erdwärmekollektoren und Wärmepumpen zum Einsatz.
Diese Systeme eignen sich vor allem zur Wärmeversorgung von Gebäuden und können beispielsweise auch für Landwirtschafts- oder Gewerbebauten relevant sein.
10. Was ist Tiefengeothermie?
Bei der Tiefengeothermie werden deutlich tiefere geologische Schichten erschlossen.
Dort können höhere Temperaturen vorliegen. Je nach Temperatur und geologischen Bedingungen kann die Wärme beispielsweise für Fernwärme oder andere Anwendungen genutzt werden.
Unter geeigneten Bedingungen ist auch eine Stromerzeugung möglich.
11. Kann Geothermie auch Lebensmittel lagern oder verarbeiten helfen?
Grundsätzlich kann geothermisch erzeugte Energie beziehungsweise Wärme oder Kälte in verschiedenen Bereichen der Lebensmittelwirtschaft eingesetzt werden.
Besonders interessant ist die Nutzung dort, wo kontinuierlich Wärme benötigt wird.
Die konkrete Eignung hängt jedoch vom jeweiligen Temperaturbedarf und vom technischen System ab.
12. Was hat das mit nachhaltiger Ernährung zu tun?
Nachhaltige Ernährung betrifft nicht nur die Zusammensetzung eines Lebensmittels.
Auch die Art und Weise, wie Lebensmittel erzeugt, verarbeitet, gelagert und transportiert werden, spielt eine Rolle.
Energie ist dabei ein Bestandteil des gesamten Ernährungssystems.
Erdwärme und Lebensmittelproduktion
Ein interessantes Beispiel sind geothermisch beheizte Gewächshäuser.
Das Grundprinzip ist relativ einfach:
Erdwärme → Wärmeversorgung → kontrollierte Anbaubedingungen → Pflanzenproduktion
Dadurch kann eine vorhandene geothermische Wärmequelle beispielsweise dazu genutzt werden, die Temperatur in einem Gewächshaus zu regulieren.
Das kann insbesondere dort interessant sein, wo geothermische Ressourcen leicht zugänglich sind.
Bedeutet regionaler Anbau automatisch nachhaltiger?
Nicht unbedingt.
Ein Lebensmittel aus regionalem Anbau kann unter bestimmten Bedingungen Vorteile haben, aber die Entfernung allein bestimmt nicht die Umweltbilanz.
Beispielsweise kann ein beheiztes Gewächshaus sehr viel Energie benötigen. Gleichzeitig kann ein Produkt aus einem anderen Land unter günstigen klimatischen Bedingungen mit deutlich geringerem Heizbedarf erzeugt worden sein.
Für eine faire Betrachtung müssen daher mehrere Faktoren berücksichtigt werden:
- Energiequelle
- Energiebedarf
- Anbaumethode
- Saison
- Wasserverbrauch
- Produktionsbedingungen
- Lagerung
- Verpackung
- Transport
- Lebensmittelverluste
Damit wird deutlich: „regional“ und „nachhaltig“ sind keine automatisch gleichbedeutenden Begriffe.
Was hat Energie mit dem Preis von Lebensmitteln zu tun?
Energie ist ein Kostenfaktor entlang der gesamten Lebensmittelkette.
Sie wird beispielsweise für Maschinen, Bewässerung, Gewächshausheizung, Kühlung, Verarbeitung und Lagerung benötigt.
Steigende oder sinkende Energiekosten können deshalb mittelbar auch die Kosten bestimmter Lebensmittel beeinflussen.
Der Preis eines Lebensmittels besteht allerdings aus vielen weiteren Faktoren, etwa Arbeitskosten, Rohstoffen, Transport, Verarbeitung, Handel und Nachfrage.
Geothermie in der Lebensmittelwelt – ein Beispiel
Statt nur über Energiequellen abstrakt zu sprechen, lässt sich das Prinzip an einem Gemüsebeispiel nachvollziehen:
Tomaten im Gewächshaus
Für die Produktion können unter anderem benötigt werden:
- Wärme
- Licht
- Wasser
- Pflanzennährstoffe
- Gewächshausfläche
- Arbeitskraft
- technische Anlagen
- Verpackung
- Kühlung und Transport
Wird eine vorhandene geothermische Wärmequelle zur Beheizung genutzt, kann sie einen Teil des Energiebedarfs übernehmen.
Damit wird sichtbar, dass eine Energieentscheidung bereits am Anfang der Lebensmittelkette Auswirkungen haben kann.
🎯 NutriKunde-Mitmach-Idee
Ein Lebensmittel kann einmal nicht nach Kalorien oder Nährstoffen, sondern nach seiner Energiegeschichte betrachtet werden.
Beispielsweise:
„Wie kommt eine Tomate auf den Teller?“
Dabei werden fünf Stationen notiert:
- Anbau
- Wärme und Energie
- Verarbeitung
- Lagerung
- Transport
Anschließend kann geprüft werden, an welchen Stellen Energie benötigt wird.
Die Übung zeigt anschaulich, dass Ernährung nicht erst beim Einkauf beginnt.
💡 Was bleibt vom World Geothermal Energy Day?
Geothermie wirkt zunächst wie ein rein technisches Thema. Bei genauerer Betrachtung gehört Energie jedoch unmittelbar zum Ernährungssystem.
Ob Gemüse angebaut, Milch gekühlt, Lebensmittel verarbeitet oder Tiefkühlprodukte gelagert werden: Energie begleitet Lebensmittel vom Anbau bis zum Teller.
Geothermie kann unter geeigneten Bedingungen eine Möglichkeit sein, Wärme bereitzustellen und fossile Energieträger teilweise zu ersetzen.
Dabei ist jedoch immer die konkrete Anwendung entscheidend.
NutriKunde-Fazit
Der World Geothermal Energy Day bietet einen ungewöhnlichen, aber sinnvollen Blick auf Ernährung.
Erdwärme ist zunächst eine Energiequelle. Ihre Nutzung kann jedoch auch Landwirtschaft, Gewächshausanbau, Lebensmittelverarbeitung und andere Bereiche der Ernährung beeinflussen.
Für die Bewertung eines Lebensmittels reicht deshalb weder der Blick auf Nährwerte noch allein auf die Entfernung zum Produktionsort. Auch Energie, Produktionsweise und gesamte Lebensmittelkette können eine Rolle spielen.
Geothermie ist dabei kein automatisches Nachhaltigkeitssiegel, sondern eine technische Möglichkeit, deren Nutzen von Standort, System und Anwendung abhängt.
Wichtiger Hinweis: Die Informationen dienen ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzen keine individuelle Beratung durch Arzt, Heilpraktiker, Apotheker oder Ernährungsfachkraft. Vor der Anwendung oder Einnahme sollte bei gesundheitlichen Fragen eine entsprechende Fachperson hinzugezogen werden. NutriKunde übernimmt keine Gewähr für Vollständigkeit, Richtigkeit oder Aktualität der Angaben. Maßgeblich ist immer die individuelle Situation.