Teil 1 – Buchvorstellung: OUTLIVE von Dr. Peter Attia und Bill Gifford
Länger leben – aber möglichst lange gesund bleiben?
Ein hohes Lebensalter gilt für viele Menschen als erstrebenswert. Doch entscheidend ist nicht allein die Zahl der Lebensjahre, sondern die Frage, wie diese Jahre verbracht werden. Körperliche Beweglichkeit, geistige Leistungsfähigkeit, Selbstständigkeit und soziale Teilhabe bestimmen wesentlich, wie das Leben im höheren Alter erlebt wird.
Mit genau dieser Frage beschäftigt sich das Buch OUTLIVE: Wie wir länger und besser leben können, als wir denken. Der amerikanische Mediziner Peter Attia stellt darin einen Ansatz vor, bei dem nicht die Behandlung bereits fortgeschrittener Krankheiten, sondern deren möglichst frühzeitige Vermeidung im Mittelpunkt steht.
Gemeinsam mit dem Wissenschaftsjournalisten Bill Gifford beschreibt Attia, welche Rolle Stoffwechselgesundheit, Herz-Kreislauf-System, Muskelkraft, Schlaf und emotionale Gesundheit für ein möglichst langes und selbstbestimmtes Leben spielen können.
Das Buch verbindet medizinische Erkenntnisse mit persönlichen Erfahrungen und praktischen Überlegungen. Dabei geht es nicht um ein einzelnes Wundermittel gegen das Altern, sondern um die langfristige Gestaltung der eigenen Gesundheit.
Buchdaten im Überblick
Titel: OUTLIVE
Untertitel: Wie wir länger und besser leben können, als wir denken
Autoren: Dr. Peter Attia und Bill Gifford
Verlag: Ullstein
Originaltitel: Outlive: The Science and Art of Longevity
Originalausgabe: 2023
Sprache: Deutsch
ISBN-13 der verlinkten Ausgabe: 978-3-548-07043-8
Format: Taschenbuch
Themen: Langlebigkeit, Prävention, gesundes Altern, Bewegung, Ernährung, Schlaf, Stoffwechsel und Lebensqualität
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Worum geht es in „OUTLIVE“?
Im Mittelpunkt steht die Unterscheidung zwischen Lebensdauer und Gesundheitsspanne. Während die Lebensdauer beschreibt, wie lange ein Mensch lebt, bezeichnet die Gesundheitsspanne jene Lebensjahre, in denen Gesundheit und Funktionsfähigkeit möglichst gut erhalten bleiben.
Peter Attia kritisiert, dass sich die medizinische Versorgung häufig erst dann intensiv mit bestimmten Erkrankungen beschäftigt, wenn bereits deutliche Beschwerden oder gesundheitliche Schäden entstanden sind. Er plädiert deshalb für eine frühzeitige, individuell ausgerichtete Prävention.
Besonders ausführlich behandelt das Buch vier große Krankheitsbereiche: Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer sowie Stoffwechselerkrankungen einschließlich Typ-2-Diabetes.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf körperlicher Fitness. Attia betrachtet Muskelkraft, Ausdauer, Gleichgewicht und Beweglichkeit als wesentliche Voraussetzungen für Selbstständigkeit im Alter. Daneben spielen Ernährung, Schlaf und psychische Gesundheit eine wichtige Rolle.
Für wen ist das Buch geeignet?
„OUTLIVE“ richtet sich an Menschen, die sich intensiver mit gesundem Altern beschäftigen und medizinische Zusammenhänge besser verstehen möchten. Besonders interessant ist es für Leserinnen und Leser, die sich nicht mit allgemeinen Gesundheitstipps zufriedengeben, sondern auch die Hintergründe von Prävention und Risikofaktoren kennenlernen wollen.
Für die Generation 60 plus sind vor allem die Kapitel über Muskelkraft, Beweglichkeit, Herz-Kreislauf-Gesundheit und den Erhalt der Selbstständigkeit relevant. Auch die Frage, welche gesundheitlichen Maßnahmen tatsächlich einen langfristigen Nutzen versprechen, erhält besondere Bedeutung.
Das Buch ist allerdings kein einfacher Kurzratgeber. Medizinische Fachbegriffe, ausführliche Erklärungen und die intensive Beschäftigung mit Gesundheitsrisiken verlangen ein gewisses Interesse an wissenschaftlichen Themen.
Welche Stärken und Grenzen hat das Buch?
Eine wesentliche Stärke liegt in der konsequenten Ausrichtung auf die Gesundheitsspanne. Das Buch macht deutlich, dass ein langes Leben allein noch keine gute Lebensqualität garantiert. Besonders überzeugend ist die Betonung körperlicher Fitness als Grundlage für Selbstständigkeit und Teilhabe im Alter.
Auch die Verbindung von Ernährung, Bewegung, Schlaf und psychischer Gesundheit ist sinnvoll. Diese Bereiche beeinflussen sich gegenseitig und sollten bei der Gesundheitsvorsorge nicht isoliert betrachtet werden.
Kritisch einzuordnen ist dagegen die teilweise starke Betonung individueller Messwerte, spezialisierter Untersuchungen und langfristiger Risikoabschätzungen. Nicht jede vorgeschlagene Untersuchung ist für alle Menschen sinnvoll, und nicht jede theoretisch plausible Präventionsmaßnahme besitzt bereits einen nachgewiesenen Nutzen hinsichtlich einer längeren Lebensdauer.
Auch bei der Langlebigkeitsforschung gilt: Viele Erkenntnisse beruhen auf Beobachtungsstudien. Ein statistischer Zusammenhang bedeutet nicht automatisch, dass eine bestimmte Maßnahme das Leben tatsächlich verlängert.
Fazit zur Buchvorstellung: „OUTLIVE“ ist ein anspruchsvoller, anregender Gesundheitsratgeber für Menschen, die sich frühzeitig mit den Voraussetzungen eines gesunden Alterns beschäftigen möchten. Besonders wertvoll sind die Gedanken zur Erhaltung von Muskelkraft, Beweglichkeit und Selbstständigkeit. Die medizinischen Empfehlungen sollten jedoch stets anhand der individuellen Gesundheitssituation und der verfügbaren wissenschaftlichen Evidenz bewertet werden.
Teil 2 – Unabhängiger Gesundheitsratgeber: Wie gelingt gesundes Altern ab 60?
Gesundheit, Ernährung, Bewegung und Lebensqualität – unabhängig vom vorgestellten Buch
Was bedeutet Langlebigkeit eigentlich?
Der Begriff Langlebigkeit, international häufig als Longevity bezeichnet, beschreibt zunächst ein möglichst langes Leben. In der modernen Gesundheitsforschung geht es jedoch zunehmend um eine zweite Frage: Wie viele dieser Lebensjahre können bei möglichst guter Gesundheit verbracht werden?
Dafür wird häufig der englische Begriff Healthspan verwendet. Er bezeichnet die Gesundheitsspanne, also jene Lebensphase, in der körperliche und geistige Fähigkeiten möglichst gut erhalten bleiben.
Ein Mensch kann beispielsweise 90 Jahre alt werden, aber bereits viele Jahre zuvor durch chronische Erkrankungen erheblich eingeschränkt sein. Ein anderer Mensch kann bis ins hohe Alter weitgehend selbstständig leben, einkaufen, kochen, soziale Kontakte pflegen und seinen Interessen nachgehen.
Die Lebensdauer lässt sich nicht zuverlässig vorhersagen. Dennoch gibt es zahlreiche Möglichkeiten, beeinflussbare Gesundheitsrisiken zu reduzieren und die körperliche Funktionsfähigkeit zu unterstützen.
Kann der Alterungsprozess verlangsamt werden?
Das Altern ist ein komplexer biologischer Vorgang. Im Laufe des Lebens verändern sich unter anderem die Zellfunktionen, die Regenerationsfähigkeit, das Immunsystem und die Zusammensetzung des Körpers.
Die Wissenschaft untersucht, welche dieser Veränderungen beeinflussbar sind. Dabei spielen unter anderem Entzündungsprozesse, Stoffwechselregulation, Zellschäden und die Funktion der Mitochondrien eine Rolle.
Allerdings ist zwischen einer Verbesserung einzelner biologischer Messwerte und einer tatsächlich verlängerten Lebensdauer zu unterscheiden. Eine Substanz kann beispielsweise bestimmte Stoffwechselwerte beeinflussen, ohne dass dadurch bereits eine lebensverlängernde Wirkung beim Menschen nachgewiesen wäre.
Ein allgemein anerkanntes Medikament, das den normalen menschlichen Alterungsprozess zuverlässig aufhält, existiert bislang nicht.
Wesentlich besser belegt sind die gesundheitlichen Vorteile regelmäßiger Bewegung, einer ausgewogenen Ernährung, des Nichtrauchens und der Behandlung bekannter Risikofaktoren.
Warum ist Muskelkraft im Alter so entscheidend?
Mit zunehmendem Lebensalter kann die Muskelmasse zurückgehen. Dieser Prozess wird unter anderem durch Bewegungsmangel, Erkrankungen und eine unzureichende Nährstoffversorgung begünstigt.
Ein ausgeprägter Verlust von Muskelmasse und Muskelkraft kann zur sogenannten Sarkopenie beitragen. Dadurch können alltägliche Tätigkeiten wie Treppensteigen, Einkaufen oder das Aufstehen von einem Stuhl zunehmend schwerfallen.
Regelmäßiges Krafttraining gehört zu den wichtigsten Maßnahmen, um Muskelkraft und körperliche Funktionsfähigkeit zu erhalten.
Dafür ist nicht unbedingt ein Fitnessstudio erforderlich. Übungen mit einem elastischen Trainingsband, kontrolliertes Aufstehen von einem stabilen Stuhl oder angepasste Übungen mit kleinen Gewichten können bereits sinnvolle Trainingsreize setzen.
Für Menschen ab 60 Jahren sollte das Training möglichst mehrere Muskelgruppen berücksichtigen. Entscheidend sind eine angemessene Belastung, eine korrekte Ausführung und die regelmäßige Wiederholung.
Bei bestehenden Erkrankungen oder ausgeprägter körperlicher Schwäche kann eine physiotherapeutische Anleitung hilfreich sein.
Wie viel Bewegung unterstützt ein gesundes Leben?
Regelmäßige körperliche Aktivität beeinflusst zahlreiche Bereiche der Gesundheit. Sie unterstützt Herz und Kreislauf, verbessert die Muskelkraft und kann sich günstig auf Blutdruck, Blutzuckerregulation und psychisches Wohlbefinden auswirken.
Für Erwachsene ab 65 Jahren empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation wöchentlich etwa 150 bis 300 Minuten Bewegung mit moderater Intensität. Ergänzend sollten muskelkräftigende Aktivitäten sowie Übungen für Gleichgewicht und funktionelle Beweglichkeit stattfinden.
Moderate Bewegung bedeutet beispielsweise zügiges Gehen, bei dem die Atmung etwas schneller wird, eine Unterhaltung aber weiterhin möglich bleibt.
Im Alltag können Spaziergänge, Radfahren, Schwimmen, Tanzen oder Gartenarbeit dazu beitragen, die Bewegungszeit zu erhöhen.
Wichtig ist jedoch, dass auch kleinere Bewegungsmengen gesundheitlich wertvoll sind. Bei eingeschränkter Belastbarkeit ist ein langsamer Einstieg sinnvoller als ein überforderndes Trainingsprogramm.
Warum sind Gleichgewicht und Beweglichkeit wichtig?
Gesundes Altern bedeutet nicht nur, möglichst viel Muskelkraft aufzubauen. Auch Gleichgewicht, Koordination und Beweglichkeit spielen eine entscheidende Rolle.
Mit zunehmendem Alter steigt bei vielen Menschen das Risiko für Stürze. Ursachen können nachlassende Muskelkraft, Gleichgewichtsstörungen, Sehprobleme oder bestimmte Medikamente sein.
Gezielte Übungen können helfen, die Stand- und Gangsicherheit zu verbessern. Dazu gehören beispielsweise kontrollierte Gewichtsverlagerungen, seitliches Gehen oder das Stehen mit enger Fußstellung.
Bei erhöhtem Sturzrisiko sollten solche Übungen zunächst mit sicherer Unterstützung oder fachlicher Anleitung durchgeführt werden.
Auch regelmäßige Beweglichkeitsübungen können hilfreich sein, um alltägliche Bewegungen möglichst lange selbstständig ausführen zu können.
Welche Ernährung fördert gesundes Altern?
Eine ausgewogene Ernährung ist ein wichtiger Bestandteil der Gesundheitsvorsorge. Sie versorgt den Körper mit Energie, Eiweiß, Vitaminen, Mineralstoffen und weiteren Nährstoffen.
Besonders günstig ist eine abwechslungsreiche, überwiegend pflanzenbetonte Ernährungsweise mit Gemüse, Obst, Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Nüssen und hochwertigen pflanzlichen Ölen.
Als gut untersuchtes Ernährungsmuster gilt die mediterrane Ernährung. Sie kombiniert reichlich pflanzliche Lebensmittel mit Olivenöl, Nüssen, Hülsenfrüchten und je nach Ausgestaltung Fisch sowie moderaten Mengen weiterer tierischer Lebensmittel.
Eine solche Ernährungsweise kann zur Verbesserung wichtiger Herz-Kreislauf-Risikofaktoren beitragen. Daraus lässt sich allerdings keine feste Zahl zusätzlicher Lebensjahre für einzelne Menschen ableiten.
Besonders wichtig ist, dass die Ernährung langfristig umsetzbar bleibt und persönliche Vorlieben, Verträglichkeit sowie bestehende Erkrankungen berücksichtigt.
Welche Lebensmittel passen zu einer gesunden Ernährung ab 60?
Im Alltag lassen sich viele ernährungsphysiologisch günstige Lebensmittel ohne großen Aufwand kombinieren.
Haferflocken und Vollkornprodukte liefern Ballaststoffe, die unter anderem die Verdauung unterstützen. Hafer enthält zudem Beta-Glucane, die bei ausreichender Aufnahme zur Senkung des Cholesterinspiegels beitragen können.
Linsen, Bohnen und Erbsen sind wertvolle pflanzliche Eiweißquellen. Sie liefern außerdem Ballaststoffe und verschiedene Mineralstoffe. Bei empfindlicher Verdauung können kleinere Portionen, gründliches Garen und ein langsamer Gewöhnungsprozess die Verträglichkeit verbessern.
Gemüse und Obst liefern Vitamine, Mineralstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe. Besonders sinnvoll ist eine abwechslungsreiche Auswahl, beispielsweise mit Karotten, Brokkoli, Tomaten, Äpfeln und Beeren.
Nüsse und pflanzliche Öle enthalten überwiegend ungesättigte Fettsäuren. Walnüsse, Mandeln, Rapsöl und Olivenöl können deshalb regelmäßig Bestandteil einer ausgewogenen Ernährung sein.
Milchprodukte, Eier und Fisch können zur Versorgung mit Eiweiß und weiteren wichtigen Nährstoffen beitragen. Welche Lebensmittel geeignet sind, hängt auch von persönlichen Ernährungsgewohnheiten und möglichen Unverträglichkeiten ab.
Eine gesunde Ernährung muss dabei nicht teuer oder kompliziert sein. Auch traditionelle Gerichte lassen sich durch mehr Gemüse, geeignete Vollkornprodukte und eine ausgewogene Fettqualität ernährungsphysiologisch verbessern.
Wie viel Eiweiß ist im höheren Lebensalter sinnvoll?
Eiweiß ist für den Erhalt und Aufbau von Muskelgewebe notwendig. Im höheren Lebensalter gewinnt eine ausreichende Versorgung deshalb besondere Bedeutung.
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung nennt für gesunde Erwachsene ab 65 Jahren einen Schätzwert von etwa 1,0 Gramm Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht täglich.
Bei einem Körpergewicht von 70 Kilogramm entspricht das ungefähr 70 Gramm Eiweiß am Tag. Bei Übergewicht, Untergewicht oder bestimmten Erkrankungen muss der individuelle Bedarf gegebenenfalls anders berechnet werden.
Eine praktische Verteilung auf mehrere Mahlzeiten kann sinnvoll sein. Beispielsweise können Naturjoghurt oder Quark zum Frühstück, Linsen oder Fisch zum Mittagessen und ein eiweißreicher Brotbelag am Abend zur Versorgung beitragen.
Entscheidend ist jedoch nicht nur die Eiweißmenge. Ausreichende Energiezufuhr und regelmäßige Muskelaktivität sind ebenfalls notwendig, um Muskelmasse zu erhalten.
Bei chronischen Nierenerkrankungen sollte die Eiweißzufuhr individuell medizinisch abgestimmt werden.
Ist Fasten eine Möglichkeit, länger zu leben?
Intervallfasten, zeitlich begrenzte Nahrungsaufnahme und andere Fastenformen werden häufig im Zusammenhang mit Langlebigkeit diskutiert.
Einige Untersuchungen zeigen, dass bestimmte Fastenprogramme bei geeigneten Personengruppen zur Gewichtsreduktion und Verbesserung einzelner Stoffwechselwerte beitragen können.
Ob Fasten beim Menschen unabhängig von anderen Lebensstilfaktoren tatsächlich die Lebensdauer verlängert, ist jedoch nicht ausreichend belegt.
Besonders bei älteren Menschen ist Vorsicht geboten. Lange Essenspausen können problematisch sein, wenn dadurch insgesamt zu wenig Energie oder Eiweiß aufgenommen wird.
Bei Untergewicht, Gebrechlichkeit, Diabetesmedikamenten oder bestimmten Erkrankungen kann Fasten zusätzliche Risiken mit sich bringen.
Für die Generation 60 plus ist eine ausreichende, regelmäßige Nährstoffversorgung häufig wichtiger als die Einhaltung strenger Fastenregeln.
Welche Bedeutung hat der Schlaf für die Langlebigkeit?
Schlaf unterstützt zahlreiche Regenerationsprozesse und ist für die körperliche und geistige Gesundheit notwendig.
Dauerhaft schlechter Schlaf kann unter anderem mit ungünstigen Veränderungen des Stoffwechsels, erhöhtem Blutdruck und verminderter Leistungsfähigkeit verbunden sein.
Ein regelmäßiger Schlafrhythmus, ausreichend Tageslicht und körperliche Aktivität können die Schlafqualität unterstützen.
Im höheren Lebensalter können allerdings Schmerzen, nächtlicher Harndrang, Medikamente oder Schlafapnoe den Schlaf beeinträchtigen. Bei anhaltenden Beschwerden ist eine medizinische Abklärung sinnvoll.
Schlaf sollte nicht allein nach der Anzahl der Stunden beurteilt werden. Auch die Erholsamkeit und die Leistungsfähigkeit am folgenden Tag sind wichtige Hinweise.
Wie lässt sich die geistige Leistungsfähigkeit erhalten?
Mit zunehmendem Alter verändern sich bestimmte Gedächtnis- und Denkprozesse. Das bedeutet jedoch nicht, dass geistige Fähigkeiten zwangsläufig stark nachlassen müssen.
Regelmäßige geistige Aktivität, soziale Kontakte und körperliche Bewegung können zur Erhaltung der kognitiven Gesundheit beitragen.
Lesen, Musizieren, das Erlernen neuer Fähigkeiten, gemeinsame Gespräche oder kreative Beschäftigungen bieten Möglichkeiten, geistig aktiv zu bleiben.
Auch die Behandlung von Bluthochdruck, Diabetes und Hörproblemen ist im Zusammenhang mit der Demenzprävention bedeutsam.
Eine Garantie, Alzheimer oder andere Demenzerkrankungen zu verhindern, gibt es allerdings nicht. Eine gesunde Lebensweise kann beeinflussbare Risiken reduzieren, aber nicht sämtliche Ursachen ausschalten.
Warum gehören soziale Kontakte und Lebensfreude dazu?
Gesundheit wird nicht ausschließlich durch Laborwerte, Ernährung und körperliche Fitness bestimmt.
Soziale Beziehungen, persönliche Interessen und das Gefühl, gebraucht zu werden, können wesentlich zum psychischen Wohlbefinden beitragen.
Gerade nach dem Übergang in den Ruhestand verändern sich häufig gewohnte Tagesstrukturen. Regelmäßige Kontakte, gemeinsame Mahlzeiten, ehrenamtliche Tätigkeiten oder neue Hobbys können helfen, den Alltag sinnvoll zu gestalten.
Auch Bewegung in Gesellschaft kann mehrere Vorteile miteinander verbinden. Eine Wandergruppe, gemeinsames Tanzen oder ein regelmäßiger Spaziergang schaffen körperliche Aktivität und soziale Begegnungen.
Ein gesundes Leben im Alter sollte deshalb nicht zu einem ständigen Programm der Selbstoptimierung werden. Genuss, Erholung und persönliche Zufriedenheit gehören ebenso dazu.
Welche Vorsorgeuntersuchungen sind wirklich sinnvoll?
Ein wichtiger Bestandteil gesunden Alterns ist die frühzeitige Erkennung und Behandlung relevanter Gesundheitsrisiken.
Dazu gehören beispielsweise die Kontrolle des Blutdrucks, die Einschätzung des Diabetesrisikos und die Untersuchung bestimmter Blutfettwerte. Auch empfohlene Krebsfrüherkennungsuntersuchungen und altersgerechte Impfungen können eine wichtige Rolle spielen.
Welche Maßnahmen sinnvoll sind, hängt vom Alter, Geschlecht, persönlichen Risikoprofil und bereits bestehenden Erkrankungen ab.
Nicht jede zusätzliche Untersuchung verbessert automatisch die Gesundheit. Umfangreiche Bluttests, bildgebende Verfahren oder spezielle biologische Alterstests können auch unklare Befunde und unnötige Folgeuntersuchungen verursachen.
Eine gute Vorsorge orientiert sich deshalb nicht an der größtmöglichen Anzahl von Messwerten, sondern am nachgewiesenen Nutzen für die jeweilige Person.
Sind Longevity-Präparate und Anti-Aging-Mittel empfehlenswert?
Der Markt für Langlebigkeitsprodukte wächst. Angeboten werden unter anderem NAD-Vorstufen, Resveratrol, spezielle Antioxidantien und zahlreiche Nahrungsergänzungsmittel.
Einige dieser Substanzen werden wissenschaftlich untersucht. Häufig stammen positive Ergebnisse jedoch aus Zellversuchen, Tierexperimenten oder kleinen Studien mit begrenzter Aussagekraft.
Daraus lässt sich keine gesicherte lebensverlängernde Wirkung beim Menschen ableiten.
Auch Medikamente, die in der Langlebigkeitsforschung diskutiert werden, sollten nicht ohne medizinische Indikation zur allgemeinen Altersverzögerung eingesetzt werden.
Für die meisten Menschen ist es sinnvoller, zunächst bekannte Risikofaktoren zu berücksichtigen und auf eine ausreichende Nährstoffversorgung, Bewegung und guten Schlaf zu achten.
Wie kann ein gesundheitsfördernder Alltag ab 60 aussehen?
Ein gesundheitsorientierter Tagesablauf muss nicht kompliziert sein. Entscheidend ist, verschiedene günstige Gewohnheiten regelmäßig miteinander zu verbinden.
Der Morgen könnte mit einem ausgewogenen Frühstück aus Haferflocken, Naturjoghurt, Beeren und Walnüssen beginnen. Ein anschließender Spaziergang sorgt für Bewegung und Tageslicht.
Mittags bietet sich beispielsweise eine Gemüsepfanne mit Linsen und Vollkornreis an. Eine kurze Bewegungspause nach dem Essen kann helfen, längere Sitzzeiten zu unterbrechen.
Am Nachmittag könnten Gartenarbeit, leichte Kraftübungen oder eine gemeinsame Unternehmung stattfinden. Für den Abend eignet sich eine gut verträgliche Mahlzeit, beispielsweise Vollkornbrot mit Kräuterquark und Gemüse.
Regelmäßige Schlafenszeiten und ausreichend Erholung ergänzen diesen Tagesablauf.
Dabei handelt es sich nicht um einen starren Gesundheitsplan. Vielmehr zeigt das Beispiel, wie sich Ernährung, Bewegung, soziale Aktivität und Erholung ohne außergewöhnlichen Aufwand miteinander verbinden lassen.
Ist es mit 70 oder 80 Jahren zu spät für Veränderungen?
Gesundheitsfördernde Maßnahmen sind nicht ausschließlich in jungen Jahren sinnvoll. Auch im höheren Lebensalter können körperliche Aktivität und eine bessere Nährstoffversorgung positive Veränderungen bewirken.
Selbst Menschen, die lange wenig Sport betrieben haben, können durch angepasstes Kraft- und Gleichgewichtstraining ihre körperliche Funktionsfähigkeit verbessern.
Allerdings müssen Ziele und Belastungen realistisch gewählt werden. Bei chronischen Erkrankungen, Schmerzen oder eingeschränkter Mobilität können bereits kleine Fortschritte einen erheblichen Unterschied im Alltag machen.
Die Fähigkeit, wieder sicherer aufzustehen, kurze Wege selbstständig zurückzulegen oder Einkäufe ohne größere Anstrengung zu erledigen, kann wichtiger sein als eine abstrakte Vorstellung von maximaler Lebensverlängerung.
Gesundes Altern bedeutet deshalb nicht, möglichst jung bleiben zu müssen. Es bedeutet, vorhandene Fähigkeiten zu erhalten und persönliche Lebensqualität zu fördern.
Fazit: Gesund älter werden statt nur länger leben
Ein möglichst langes Leben ist ein verständlicher Wunsch. Noch wichtiger erscheint jedoch die Möglichkeit, möglichst viele dieser Jahre bei guter Gesundheit, körperlicher Selbstständigkeit und persönlicher Zufriedenheit zu verbringen.
Wissenschaftlich gut begründete Maßnahmen sind regelmäßige Bewegung, der Erhalt der Muskelkraft, eine ausgewogene Ernährung, ausreichend Schlaf und die Behandlung bekannter gesundheitlicher Risikofaktoren.
Für Menschen ab 60 Jahren kommt der Vermeidung von Muskelabbau, Stürzen und Mangelernährung eine besondere Bedeutung zu.
Spezielle Anti-Aging-Produkte, aufwendige Messprogramme und außergewöhnliche Ernährungskonzepte sind dagegen keine Voraussetzung für ein gesundheitsbewusstes Leben.
Gesund und bekömmlich genießen, in Bewegung bleiben und soziale Kontakte pflegen – diese einfachen Grundlagen können wesentlich dazu beitragen, die Lebensqualität im höheren Alter zu erhalten.
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